Warum haben viele Mittelständler eine heterogene Systemlandschaft?

Ralfs Rudzitis ·
Veraltete Beige-Tower-PCs und moderne Laptops mit Kabelsalat auf einem Büroschreibtisch, symbolisiert heterogene IT-Infrastruktur.

Wer mittelständische Unternehmen von innen kennt, trifft fast immer auf dasselbe Bild: Eine Buchhaltungssoftware aus den frühen 2000ern, ein CRM-System, das vor einigen Jahren eingeführt wurde, ein Shopsystem, das der Vertrieb eigenständig aufgesetzt hat, und dazwischen zahlreiche Tabellen, die alles irgendwie zusammenhalten. Diese gewachsene IT-Infrastruktur ist kein Zeichen schlechter Planung, sondern das natürliche Ergebnis unternehmerischen Wachstums. Trotzdem stellt eine heterogene Systemlandschaft viele Betriebe heute vor ernsthafte operative Herausforderungen.

Für den Mittelstand ist das Thema Systemintegration deshalb so relevant, weil die meisten Unternehmen nicht von Grund auf neu aufbauen können oder wollen. Bestehende Systeme sind oft tief in Prozesse eingebettet, Mitarbeitende sind geschult, und ein vollständiger Wechsel wäre mit erheblichem Aufwand verbunden. Der Weg nach vorne führt daher selten über einen Neustart, sondern über das gezielte Verbinden dessen, was bereits vorhanden ist.

Organisches Wachstum als Wurzel der IT-Komplexität

Die meisten mittelständischen Unternehmen haben ihre IT-Systeme nicht nach einem großen Plan aufgebaut. Stattdessen entstanden sie schrittweise, begleitet von Unternehmenswachstum, Abteilungserweiterungen und sich verändernden Marktanforderungen. Ein Warenwirtschaftssystem wurde eingeführt, als das Lager zu groß für manuelle Listen wurde. Ein CRM-Tool kam hinzu, als der Vertrieb skalierte. Jede Entscheidung war zum jeweiligen Zeitpunkt sinnvoll.

Dieses organische Wachstum führt jedoch dazu, dass Systeme nebeneinander existieren, ohne miteinander zu sprechen. Jede Abteilung optimiert ihre eigene Arbeit, ohne dass Daten nahtlos zwischen den Bereichen fließen. Das Ergebnis ist eine IT-Infrastruktur, die aus der Summe guter Einzelentscheidungen besteht, als Gesamtbild aber zunehmend schwer zu steuern ist.

Typische Auslöser für neue Insellösungen im Betrieb

Neue Softwarelösungen entstehen im Betrieb meist nicht durch strategische Planung, sondern durch konkreten Handlungsdruck. Wenn ein Prozess nicht funktioniert, sucht die verantwortliche Abteilung nach einer schnellen Lösung, oft ohne Abstimmung mit der IT oder anderen Bereichen. Das Ergebnis sind sogenannte Insellösungen: funktional, aber isoliert.

Typische Auslöser für solche Inseln sind unter anderem:

  • Zukäufe oder Fusionen, bei denen das übernommene Unternehmen eigene Systeme mitbringt
  • Neue Vertriebskanäle wie Marktplätze oder ein eigener Onlineshop, die kurzfristig angebunden werden müssen
  • Regulatorische Anforderungen, die spezifische Softwarelösungen erfordern (etwa für Archivierung oder Buchhaltung)
  • Abteilungsindividuelle Tools, die ohne übergeordnete IT-Strategie eingeführt werden

Jeder dieser Auslöser ist für sich genommen nachvollziehbar. Das Problem entsteht in der Summe: Mit jedem neuen System wächst die Komplexität der gesamten IT-Landschaft, und die Verbindungen zwischen den Systemen werden zur eigentlichen Schwachstelle.

Welche Folgen eine fragmentierte IT-Landschaft hat

Eine fragmentierte IT-Infrastruktur macht sich zunächst in kleinen Reibungsverlusten bemerkbar: Daten müssen manuell übertragen werden, Berichte dauern länger, Fehler entstehen durch doppelte Datenpflege. Mit der Zeit summieren sich diese Reibungsverluste zu spürbaren Wettbewerbsnachteilen.

Konkret zeigen sich die Folgen in mehreren Bereichen. Erstens leidet die Datenqualität, weil dieselben Informationen in verschiedenen Systemen unterschiedlich gepflegt werden und keine einheitliche Datenbasis existiert. Zweitens steigen die operativen Kosten, weil Mitarbeitende Zeit damit verbringen, Systeme manuell zu synchronisieren, anstatt wertschöpfende Aufgaben zu erledigen. Drittens wird die Reaktionsfähigkeit des Unternehmens gebremst: Wenn ein neuer Vertriebskanal angebunden werden soll oder ein Prozess geändert werden muss, ist die heterogene Systemlandschaft oft der erste Engpass.

Für den Mittelstand ist das besonders kritisch, weil Agilität und Geschwindigkeit zu den wichtigsten Wettbewerbsvorteilen gegenüber größeren Konzernen gehören. Eine IT, die Veränderungen ausbremst, kostet mehr als nur Zeit.

Middleware als Brücke zwischen gewachsenen Systemen

Middleware bezeichnet eine Softwareschicht, die zwischen verschiedenen Anwendungen vermittelt und den Datenaustausch zwischen ihnen koordiniert. Für Unternehmen mit gewachsener IT-Infrastruktur ist dieser Ansatz besonders attraktiv, weil bestehende Systeme nicht ersetzt werden müssen. Stattdessen werden sie verbunden.

Eine Integrationsplattform übernimmt dabei die Rolle des Übersetzers und Koordinators: Sie empfängt Daten aus einem System, transformiert sie in das Format des Zielsystems und überträgt sie zuverlässig. Das kann in Echtzeit geschehen oder zeitgesteuert, abhängig vom jeweiligen Anwendungsfall. Typische Szenarien sind die Synchronisation von Auftrags- und Bestandsdaten zwischen ERP und Shopsystem, die automatische Übergabe von Belegen an ein Dokumentenmanagementsystem oder die Anbindung von Marktplätzen an die bestehende Warenwirtschaft.

Der entscheidende Vorteil gegenüber Punkt-zu-Punkt-Integrationen, bei denen zwei Systeme direkt miteinander verbunden werden, liegt in der Skalierbarkeit. Wächst das Unternehmen und kommen neue Systeme hinzu, muss nur die Middleware erweitert werden, nicht jede einzelne Verbindung neu aufgebaut werden.

Schritte zur Konsolidierung ohne Systemwechsel

Eine Konsolidierung der IT muss nicht bedeuten, dass bestehende Systeme abgelöst werden. Für die meisten Mittelständler ist ein schrittweiser Ansatz realistischer und risikoärmer.

Ein sinnvoller Einstieg beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Welche Systeme existieren, welche Daten fließen zwischen ihnen, und wo entstehen heute manuelle Schritte oder Medienbrüche? Aus dieser Analyse lassen sich Prioritäten ableiten, also jene Verbindungen, die den größten operativen Nutzen bringen, wenn sie automatisiert werden.

Anschließend empfiehlt sich eine modulare Vorgehensweise. Statt die gesamte IT auf einmal umzubauen, werden einzelne Integrationen Schritt für Schritt umgesetzt. So bleibt der laufende Betrieb stabil, und das Unternehmen sammelt Erfahrung mit der neuen Integrationsschicht, bevor komplexere Verbindungen hinzukommen. Gerade bei der ERP-CRM-Integration oder der Anbindung von E-Commerce-Plattformen zeigt sich schnell, welche Datenprozesse tatsächlich automatisierbar sind und welche noch manuelle Entscheidungen erfordern.

Wichtig ist dabei, von Anfang an auf eine Plattform zu setzen, die mit dem Unternehmen wachsen kann. Eine Middleware, die heute fünf Systeme verbindet, sollte morgen zwanzig verbinden können, ohne dass die Architektur grundlegend geändert werden muss.

Wie MIDbridge® bei heterogenen Systemlandschaften hilft

MIDbridge® wurde entwickelt, um genau die Herausforderungen zu adressieren, die in diesem Artikel beschrieben werden: gewachsene IT-Strukturen, isolierte Systeme und der Wunsch nach Integration ohne Systemwechsel. Als skalierbare Middleware-Plattform verbindet MIDbridge® bestehende Systeme miteinander und automatisiert Datenprozesse, die heute noch manuell ablaufen.

Konkret bietet MIDbridge® folgende Möglichkeiten für den Mittelstand:

  • Vorkonfigurierte Schnittstellen zu ERP-Systemen wie SAP, Microsoft Dynamics oder Sage sowie zu Shopsystemen wie Shopware, Shopify und WooCommerce
  • Anbindung von über 2.500 Marktplätzen, Affiliate-Plattformen und Preisvergleichsseiten direkt an die bestehende Infrastruktur
  • Betrieb wahlweise On-Premise, in der Cloud oder als hybride Lösung, abhängig von den eigenen Anforderungen
  • Ein funktions- und transaktionsbasiertes Preismodell, bei dem Unternehmen nur für das zahlen, was sie tatsächlich nutzen
  • Über 30 Jahre Projekterfahrung und mehr als 1.000 erfolgreich umgesetzte Integrationsvorhaben

Wer wissen möchte, wie eine Integration der eigenen Systemlandschaft konkret aussehen könnte, findet auf MIDbridge® Apps einen Überblick über verfügbare Anwendungen und Konnektoren. Für eine individuelle Beratung steht das Team der MID Technologien GmbH bereit, um gemeinsam zu analysieren, wo die größten Hebel liegen und welche Integrationsschritte den schnellsten Mehrwert bringen.

Ähnliche Artikel